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Parkplatz am S-Bahnhof Hohen Neuendorf vor der Schließung?

pdf Stadtvereinsbote 1/2006

Mit der dringend notwendigen Sanierung der S-Bahnbrücke am Bahnhof Hohen Neuendorf ist in Kürze zu rechnen. Nach deren Abschluss soll auch der Bahnhofsvorplatz umgestaltet werden. Auf eine entsprechende Entwurfsplanung hatten sich die Stadtverordneten schon im Jahre 2003 geeinigt. Für die Umgestaltung wird ein Betrag von mindestens 279 Tausend Euro veranschlagt, der aus Fördergeldern (im Rahmen des Maßnahme- und Durchführungskonzeptes 2006 für das Sanierungsgebiet "Ortskern") finanziert werden soll.

Der Bahnhofsvorplatz ist laut Stadtverwaltung "aufgrund seiner zentralen Lage für die weitere Gestaltung und Aufwertung des Ortskernes von Hohen Neuendorf von besonderer Wichtigkeit". Als Grund für die Umgestaltung nennt die Verwaltung u. a. "die Steigerung der Aufenthaltsqualität auf dem Platz und attraktive Verknüpfung zwischen S-Bahn, Bus und PKW." Außerdem ist vorgesehen, die Nutzung des Bahnhofsvorplatzes für kleine Märkte bzw. Veranstaltungen zu ermöglichen.

Nach dem Entwurfsplan von 2003, der auch dem Beschluss der Stadtverordneten über das Maßnahmen- und Sanierungskonzept vom 23.02.2006 zugrunde liegt, wird der Platz dann nicht mehr zum Parken oder zum Ein- und Aussteigen benutzt werden können. Stattdessen soll er in eine gepflasterte und am Rand begrünte Freifläche umgewandelt werden. Auch zwei Fahrradstellplätze direkt am Bahnhofsgebäude sollen der Freifläche weichen.

Immerhin gibt es inzwischen einige Stadtverordnete, die sich eine geänderte Ausführungsplanung unter Erhalt der Kurzzeitparkplätze vorstellen können, andere meinen hingegen, dass in der Schönfließer, der Bahn- und der Wilhelm-Külz-Straße ausreichend Parkmöglichkeiten vorhanden seien.

Verkehrspolitische Auswirkungen

Der Stadtverein kann nicht erkennen, wie mit der Abschaffung von unmittelbar bahnhofsnahen PKW-Stellplätzen eine attraktive Verknüpfung des PKW-Verkehrs mit den öffentlichen Verkehrsmitteln erreicht werden soll, sondern befürchtet folgende Nachteile für die Einwohner und Besucher Hohen Neuendorfs:

Wirtschaftliche Auswirkungen

Die Geschäftsleute in unmittelbarer Nähe des Bahnhofs werden weiter benachteiligt. Laut einer Umfrage des Stadtvereins vom 16.01.2006 lehnen mindestens 21 Gewerbetreibende in Bahnhofsnähe die Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes ab, sofern dadurch ein Kurzzeitparken nicht mehr möglich sein wird.

Nach einem Bericht des Oranienburger Generalanzeigers vom 07.03.2006 haben einige Geschäftsinhaber am Hohen Neuendorfer S-Bahnhof bereits seit dem Wegzug der Sparkasse in das Kauflandgebäude "zum Teil dramatische Umsatzeinbußen ... zu verkraften."

Die Position des Stadtvereins

Der Stadtverein strebt eine attraktive Platzgestaltung unter Erhalt von Kurzzeitparkplätzen an.

Die Fraktion Stadtverein.Matthes hatte bereits im April 2005 einen Antrag in die Stadtverordnetenversammlung eingebracht, der den Erhalt des Kurzzeitparkplatzes am S-Bahnhof und die Verbesserung seiner städtebaulichen Eingliederung in das Stadtbild durch gestalterische Maßnahmen vorsah. Dieser Antrag wurde jedoch von den im Parlament vertretenen Fraktionen mit 4 Ja-, 19 Nein-Stimmen und 3 Enthaltungen abgelehnt.

Es ist keine Frage, dass der Bahnhofsvorplatz schöner gestaltet werden kann und auch sollte. Hierzu sollten durchaus Fördermittel eingeworben und sinnvoll verwendet werden. Der Stadtverein ist jedoch der Meinung, dass sich eine sinnvolle Nutzung und eine attraktive Gestaltung nicht gegenseitig ausschließen müssen. Die Neugestaltung sollte im Einklang mit Bürgerinteressen, den Anforderungen an die Attraktivität des ÖPNV und einer optisch ansprechenden Lösung stehen. Eine ausreichend große und gelungene bahnhofsnahe Grünanlage, die zum Verweilen einlädt, ist mit dem Thälmannplatz auf der anderen Seite des Bahnhofs bereits gestaltet worden.

Auch ein P&R-Parkplatz für Pendler, der allerdings eine völlig andere Funktion als der Bahnhofsvorplatz hat, ist bereits vorhanden.

Der Stadtverein schlägt die Einrichtung mindestens eines Behindertenparkplatzes auf dem Bahnhofsvorplatz vor. Es wäre doch schade, wenn gehbehinderten Menschen der Zugang zum behindertengerechten S-Bahnhof erschwert würde.

Auch die Einrichtung von Frauenparkplätzen gerade für die Abendstunden und am Wochenende wäre sehr sinnvoll, da der Weg zum P&R-Parkplatz in der Puschkinallee im Dunkeln bei vielen Frauen Ängste hervorruft.

Nach Meinung vieler Verkehrsplaner ist Hohen Neuendorf in der glücklichen Lage, in unmittelbarer Bahnhofsnähe einen Parkplatz zu haben, um den andere Städte uns beneiden würden.

Wir als Stadtverein wollen erreichen, dass dem "Gesetz über den öffentlichen Personennahverkehr im Land Brandenburg (ÖPNVG)" in unserer Stadt Geltung verschafft wird. In § 2 (2) dieses Gesetzes heißt es:

"Der öffentliche Personennahverkehr soll der Verbesserung der Mobilität der Bevölkerung, der Herstellung gleichwertiger Lebensbedingungen, dem Umweltschutz und der Verkehrssicherheit dienen. Er soll so gestaltet werden, dass er eine attraktive Alternative zum motorisierten Individualverkehr darstellt. Durch Steigerung der Leistungsfähigkeit und Attraktivität des öffentlichen Personennahverkehrs soll der motorisierte Individualverkehr, insbesondere in und zwischen Verdichtungsräumen zurückgeführt, zumindest aber ein weiterer Anstieg verhindert werden."

Weiterhin heißt es in dem Gesetz, dass der öffentliche Personennahverkehr unter Einbeziehung aller Verkehrsträger als ganzheitliches System zu planen und durchzuführen ist und dass an geeigneten Haltepunkten Parkplätze und Abstellanlagen für Fahrräder geschaffen werden sollen. Berücksichtigt werden sollen bei der Planung und Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur die spezifischen Bedürfnisse von Menschen mit Behinderungen, Familien mit Kindern und alten Menschen.