Helga Würdisch holte vor elf Jahren eine Berliner Idee nach Hohen Neuendorf und Birkenwerder - den Großelterndienst


Von Helge Treichel (erschienen in der MAZ am 1.4.2015)

ehrenamtspreis-helga_wuerdisch-foto_helge_treichelGroßeltern spielen häufig eine wichtige Rolle im Leben von jungen Familien. Was aber tun, wenn Oma und Opa weit weg wohnen oder verstorben sind? Die Antwort lautet: Großelterndienst. Freiwillig haben sich vor zehn Jahren in Hohen Neuendorf Senioren gefunden, die freiwillig und ehrenamtlich Familien mit Kindern helfen, bevorzugt Alleinerziehenden. Seit 2004 leitet Helga Würdisch den Großelterndienst, den sie unter dem Dach des Stadtvereins ins Leben gerufen hatte.
Angefangen hat alles in Berlin. Dort existiert der Großelterndienst seit mehr als 25 Jahren als Projekt des Frauenbundes. Der Titel dort: "Enkele dich fit!" Und dort lernte Helga Würdisch dieses Ehrenamt kennen. Damals wohnte die zweifache Mutter noch in der Hauptstadt, kümmerte sich regelmäßig um die eigenen beiden Enkelkinder. Sie fuhr mit ihnen beispielsweise am Nachmittag zur Tanzstunde. Dort traf sie ein Kind, das seine Oma als "Wunschoma" bezeichnete. Und sie hakte nach. So erfuhr sie vom Großelterndienst.


Nachdem sie nach Hohen Neuendorf gezogen und mit 60 Jahren in den Ruhestand gegangen war, wollte sie diese Idee auch in der kleinen Stadt am Rande der Metropole realisieren, immer unterstützt von ihrem Mann Hans-Wolfgang. Grünes Licht dazu bekam sie von den Berliner "Erfindern". Der dringliche Rat lautete nur, sich einen bestehenden Verein als Basis zu suchen. Beim Stadtverein stieß Helga Würdisch auf offene Ohren. Nur einen Haken hat diese Verbindung. Fördermittel gibt es wegen der inzwischen auch politischen Aktivitäten des Vereins nicht. "Ich bin auf Spenden und Sponsoren angewiesen", sagt Helga Würdisch.
36 Wunschgroßeltern waren während der vergangenen Jahre für den Dienst aktiv, zehn von ihnen gehören zum dauerhaften Kern. Alle kümmern sich um je ein bis zwei Familien - meist kontinuierlich und dauerhaft und ein- bis zweimal pro Woche. Kinder werden zur Kita oder zu Arbeitsgemeinschaften gebracht oder außerhalb der Kita- und Hortzeiten betreut, um Freiräume für die Mütter zu schaffen, sagt die Organisatorin. "Oft sind die Kinder auch froh, einfach mal jemanden zum Spielen zu haben." Manche Aktivitäten werden auch mit der Mutter gemeinsam gestaltet, etwa Ausflüge zum Tierpark oder in den Zirkus. Das sei bei jedem etwas unterschiedlich.
Insgesamt 75 Familien mit 170 Kindern aus Hohen Neuendorf, aber auch aus Birkenwerder, haben den Großelterndienst in den vergangenen elf Jahren nachgefragt. Rund der Hälfte konnte Helga Würdisch eine Wunschoma oder einen Wunschopa vermitteln. Der älteste "Wunschenkel" sei inzwischen 16 Jahre alt.
Helga Würdisch ist eine erste Anlaufstelle. Sie koordiniert Nachfrage und Angebot und führt die Interessenten auf beiden Seiten zusammen. Dazu führt sie Eingangsgespräche und achtet dabei auf verschiedene Mentalitäten. Weiterhin kümmert sie sich um das Bewerben des Projektes in der Öffentlichkeit, zum Beispiel mit Flyern oder an Ständen beim Bergfelder Generationen- oder Hohen Neuendorfer Kinderfest.
Dieses Engagement für das Miteinander der Generationen wurde beim kürzlichen Jahresempfang der Stadt Hohen Neuendorf gewürdigt. Helga Würdisch erhielt den Ehrenamtspreis, gemeinsam mit vier weiteren Ehrenamtlern und stellvertretend für viele weitere Aktive.
Stetig sucht Helga Würdisch weitere Mitstreiter in Hohen Neuendorf und Birkenwerder, möglichst im Alter zwischen 60 und 65 Jahren. Wer sich diese Aufgabe zutraut oder gern Wunschgroßeltern vor Ort hätte, erreicht den Großelterndienst unter Tel. (0178) 4 26 12 43 oder im Internet unter www.stadtverein.de.

 

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Erscheinungstag: 01.04.2015 
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