Den Stadtverein erreichen viele Briefe und Anfragen zum Thema Flüchtlingsunterbringung in unserer Stadt.

Selbstverständlich haben wir Verständnis für Ihre Sorgen und können viele Ihrer Vorschläge und Ihre Kritik am Verfahren gut nachvollziehen. Das bedeutet leider nicht, dass wir auf alles eine Antwort wissen oder einen Lösungsvorschlag haben. Einige Fragen konnten sicherlich bei der Veranstaltung in Borgsdorf am 9. Juli 2015 geklärt werden, andere wiederum nicht. Das liegt zum großen Teil daran, dass der Landkreis Oberhavel hier Herr des Verfahrens ist und den gesetzlichen Auftrag versucht zu erfüllen. Dabei weiß selbst der Kreis, bestehend aus Verwaltung und Kreistag, in vielen Details noch nicht, wie am besten vorzugehen ist. Eine weitere öffentliche Informationsveranstaltung, vom Kreis organisiert, soll am 17. September in Borgsdorf stattfinden.

Tatsache ist, dass die Bundesrepublik täglich von vielen Flüchtlingen erreicht wird, die um Asyl bitten. Hierzu gehören u.a. Menschen, die in ihren Herkunftsländern Opfer von Vertreibung, schwerer Gewalt, von Folter oder anderen Menschenrechtsverletzungen geworden sind. Sie genießen bei uns politisches Asyl und gerade auch mit den Erfahrungen aus der deutschen Vergangenheit ist es nur recht und billig, wenn wir uns um diese Menschen kümmern und ihnen Schutz gewähren.

Wie auch unser eigenes Leben nicht nur durch die Verwaltung organisiert wird, so fällt uns allen hier die Aufgabe zu, den Flüchtlingen zu helfen, ihr neues Leben hier bei uns menschenwürdig einzurichten. Dies betrifft alle Kommunen gleichermaßen.

Von einem Vertreter des Landkreises wurde den Stadtverordneten am 14. Juli 2015 erklärt, wie man sich das Verfahren und die Unterbringung der Flüchtlinge vorstellt. Das war kein Diskussionsangebot an die Stadt, sondern die Darstellung, wie der Kreis die dringliche Aufgabe umsetzen will. Mit einem Verteilschlüssel von 3,22% Asylsuchenden pro Gesamteinwohnerzahl (eine Quote, die z.B. in Hennigsdorf schon länger erreicht ist) sollen alle Städte und Gemeinden ihren Beitrag zu dieser sehr schwierigen Aufgabe leisten.

Aufgrund der Dringlichkeit will der Landkreis zur Unterbringung der Menschen unter anderem auf seine Kosten, gefördert durch den Bund, Wohnungen errichten, die später als kommunaler Wohnungsbestand genutzt werden können. Diese werden zwar in kurzer Bauzeit hergestellt; es sind aber vollwertige Gebäude, die bei entsprechender Planung später als Wohnungen verwendet werden können. Eine verteilte Unterbringung aller Asylsuchenden bei Familien oder in neu zu errichtenden Einzelhäusern ist für Kreis und Kommunen nicht umsetzbar.

Die ersten Asylsuchenden werden in Borgsdorf untergebracht, da der Kreis hier entsprechende Liegenschaften besitzt, die er bebauen kann und dabei nicht auf Hohen Neuendorf „angewiesen" ist. Bei der Verteilung der Flüchtlinge geht es in Anbetracht des Zeitdrucks in erster Linie nicht um Gerechtigkeit. Es geht darum, den der Stadt Hohen Neuendorf zugewiesenen Flüchtlingen bald eine menschenwürdige Bleibe zur Verfügung stellen zu können.

Wir werden uns dafür einsetzen, dass schnellstens auch Lösungen in den anderen Stadtteilen gefunden werden, damit die weiteren Flüchtlinge aufgenommen werden können und es zu einer Verteilung im ganzen Stadtgebiet und nicht zu einer Ghettoisierung kommt. Die Integration der Asylsuchenden ist eine Gemeinschaftsaufgabe der Stadt Hohen Neuendorf, die von allen Bürgern aller Stadteile auch so gesehen werden muss.

Bis es soweit ist, müssen noch viele Fragen und Details geklärt werden. Der Stadtverein wird unsere Hohen Neuendorfer Verwaltung unterstützen, in allen Fragen und Entscheidungen eng mit dem Kreis zusammenzuarbeiten, nach bestmöglichen Lösungen zu suchen und eine offene Informationspolitik zu betreiben. Dazu wird der Stadtverein auch regelmäßig neue Informationen auf seiner Internetseite veröffentlichen (www.stadtverein.de).

Es gibt sicherlich noch vielfältige ungelöste Probleme. Lassen Sie uns aber im Sinne eines friedlichen und sicheren Zusammenlebens den Blick darauf richten, wie wir den Asylsuchenden helfen können, die in einer viel schlechteren Lage sind als die meisten von uns. Der Stadtverein wird auch in Zukunft das Thema aktiv begleiten. Wir freuen uns auf Ihre konstruktiven Anregungen, Ideen und Vorschläge.